Religionswissenschaft – ein Versuch!

Religionswissenschaft könnte für sich genommen einfach die Wissenschaft von Religion sein. Im Falle von Politikwissenschaft, Sozialwissenschaft oder Wirtschaftswissenschaft erscheint es schließlich nicht weiter schwierig, sich darunter etwas vorzustellen. Die eine Diziplin beschäftigt sich mit Politik, ihrer Theorie, Praxis und Geschichte, die andere mit der Gesellschaft und die dritte schließlich mit der Wirtschaft. Alle drei Wissenschaften leiten sich von ihrem jeweiligen Gegenstandsbereich und einem gewissen Selbstverständnis ab. Klar, es gibt natürlich weder die eine Theorie der Politikwissenschaft, viele Praktiken innerhalb der Sozialwissenschaft, und in der Wirtschaftswissenschaft kann mindestens zwischen Betriebswirtschafslehre (BWL) und Volkswirtschaftslehre (VWL, früher: Nationalökonomie) unterschieden werden. Trotzdem ist es möglich, diese Wissenschaften näher zu bestimmen. Warum sollte es für Religionswissenschaft anders sein?

Religionswissenschaft ist die Wissenschaft von Religion. Sie beschäftigt sich wissenschaftlich mit Religion. So einfach könnte es sein, aber geneigte Lesende werden jetzt schon richtig vermuten, dass es doch mit „Religion“ wiederum nicht so einfach ist. Gut, denn dieser Gedanke ist schon der erste Einstieg in die Religionswissenschaft. Unglaublich? Mitnichten! Schließlich ist der Beginn jeder Wissenschaft erst einmal ein Mindestmaß an Skepsis, Neugierde und Infragestellung des jeweiligen Gegenstandes. Traditionelle oder alltägliche Erklärungen genügen schließlich nicht. Wären alle Fragen schon geklärt, wozu müssten wir uns noch mit dem Gegenstand unseres Interesses beschäftigen? Kurz: Eine positive Problematisierung steht am Anfang von Wissenschaft, erst recht von Religionswissenschaft.